Die große Palettenfrage: Was 27 Jahre Erfahrung in der Palettenautomatisierung zeigen
1. Wer die Kundenseite kennt, versteht Anforderungen besser
Bevor ich zu Swisslog kam, arbeitete ich in der Verpackungsindustrie. Mit Materialflusslösungen kam ich zunächst nicht als Anbieter oder Ingenieur in Berührung, sondern als Kunde, der ein Lager in Betrieb nehmen musste. Diese Perspektive hat meinen Blick bis heute geprägt: Wer Entscheidungen, Prioritäten und operative Anforderungen aus Kundensicht erlebt hat, geht anders an Automatisierungsprojekte heran.
2. Die Grundfrage ist dieselbe geblieben. Auch wenn die Technologie heute eine andere ist
Swisslog entwickelt seit über 50 Jahren Regalbediengeräte. Der Kernbedarf dahinter hat sich kaum verändert: Kunden möchten vorhandene Fläche bestmöglich nutzen und Lagerkapazität durch Höhe gewinnen. Die Technik ist heute deutlich weiter, doch die zentrale Herausforderung ist im Grunde dieselbe geblieben.
3. Das SKU-Spektrum entscheidet maßgeblich über die richtige Lösung
Für Palettenautomatisierung gibt es keine Standardlösung, die immer passt. Welche Technologie sinnvoll ist, hängt stark davon ab, wie viele SKUs bewegt und gelagert werden. Ein Lebensmittel- oder Getränkehersteller mit großen Chargen und 500 bis 1.000 SKUs hat ganz andere Anforderungen als ein Händler mit mehreren zehntausend Artikeln. Deshalb ist eine saubere Analyse der SKU-Struktur ein entscheidender erster Schritt.
4. Doppeltiefe Lagerung ist noch lange nicht überholt
Auch wenn frei fahrende Shuttle-Systeme und mobile Robotik derzeit viel Aufmerksamkeit bekommen, bleibt doppeltiefe Lagerung in vielen Fällen eine sehr überzeugende Lösung. Gerade wenn ein breites SKU-Spektrum, hohe Lagerkapazität und verlässlicher Durchsatz zusammenkommen müssen, kann sie nach wie vor die richtige Wahl sein. Neu ist nicht automatisch besser.
5. Flexibilität ist heute genauso entscheidend wie Durchsatz
In Branchen wie Retail und E-Commerce verändern sich Auftragsprofile und operative Anforderungen oft innerhalb kurzer Zeit. Deshalb zählt nicht mehr nur, wie viel ein System leisten kann, sondern auch, wie schnell es sich an neue Bedingungen anpassen lässt. Frei fahrende Paletten-Shuttles und AMRs bieten hier klare Vorteile: Sie können umgeleitet, erweitert oder neu konfiguriert werden und das deutlich flexibler als klassische, fest installierte Fördertechnik.
6. AMRs eröffnen neue Möglichkeiten, fest installierte Fördertechnik bleibt dennoch relevant
Das Potenzial von AMRs im Vorbereich von Palettenlagersystemen ist groß – vor allem in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, wo saubere Böden, flexible Zugänge und direkte Anbindungen an Produktionslinien eine wichtige Rolle spielen. Besonders attraktiv ist die Möglichkeit, zunächst mit einer kleinen Flotte zu starten und bei steigendem Volumen schrittweise weitere Fahrzeuge hinzuzufügen. Gleichzeitig gilt: Wenn Prozesse langfristig stabil und klar definiert sind, kann fest installierte Fördertechnik weiterhin die beste Lösung sein.
7. Gute Beratung bedeutet auch, eine bewährte Lösung bewusst zu empfehlen
Neue Technologien ziehen in unserer Branche viel Aufmerksamkeit auf sich – und das aus gutem Grund. Nach mehr als 27 Jahren Erfahrung bin ich jedoch überzeugt: Entscheidend ist nicht, die neueste Lösung zu verkaufen, sondern die passendste. Für manche Kunden ist ein ausgereiftes Regalbediengerät weiterhin die wirtschaftlichste und zuverlässigste Wahl. Genau das offen zu benennen, gehört für mich zu guter Beratung.